Podcast: Warm-Up und Common Ground
Mar 25, 2026
Viele Workshops beginnen gleich: Material wird verteilt, eine Frage gestellt und dann soll es losgehen. Gerade bei LEGO Serious Play wirkt das auf den ersten Blick verlockend – die Steine liegen bereit, die Zeit ist knapp, das Thema wichtig.
Doch genau hier zeigt sich, wie entscheidend der Einstieg wirklich ist.
Warum ein Warm-up unverzichtbar ist
Ein guter Workshop beginnt nicht mit der ersten Frage, der beginnt mit dem Ankommen. Menschen kommen aus ihrem Alltag, aus Meetings, aus offenen Themen. Ohne bewussten Übergang bleiben sie gedanklich genau dort. Das Warm-up schafft diesen Übergang. Es markiert den Moment, in dem aus „ich war gerade noch woanders“ ein „ich bin jetzt hier“ wird.
Dabei geht es nicht um ein klassisches Check-in im Sinne von Small Talk. Der sogenannte Common Ground erfüllt eine viel präzisere Funktion: Er richtet die Gruppe mental, emotional und methodisch aus.
Aufmerksamkeit und Zuhörqualität als Grundlage
Zwei Dinge stehen dabei im Zentrum. Zum einen die Aufmerksamkeit. Teilnehmende erleben bewusst, was es heisst, wirklich im Moment präsent zu sein. Zum anderen die Zuhörqualität. In der Methode wird viel gebaut, aber noch mehr erzählt und vor allem zugehört. Diese Qualität entsteht nicht automatisch, sie muss erlebt und eingeübt werden.
Erst danach kommt das Material ins Spiel.
Sicherheit durch Material und erste Erfahrungen
Und auch hier geht es nicht darum, sofort komplexe Antworten zu bauen. Die Teilnehmenden lernen zunächst die Steine kennen, ihre Möglichkeiten und vor allem den Umgang damit. Eine einfache Bauaufgabe – etwa eine Brücke – hilft, Sicherheit aufzubauen. Alle bauen mit denselben Teilen, und dennoch entstehen völlig unterschiedliche Modelle. Genau darin liegt eine wichtige Erkenntnis: Perspektiven sind immer individuell.
Vom Bauen zur Bedeutung
Mit den nächsten Schritten entsteht langsam ein tieferes Verständnis dafür, wie Bedeutung im Modell entsteht. Die Steine bekommen ihre Bedeutung durch die Person, die sie verwendet. Diese Erkenntnis öffnet den Raum für Metaphern, für persönliche Sichtweisen und für echte Auseinandersetzung.
Schritt für Schritt in den Flow
Was dabei passiert, lässt sich gut als eine Art „Bogen“ beschreiben: Die Teilnehmenden sammeln Schritt für Schritt kleine Erfolgserlebnisse. Sie merken, dass sie bauen können, dass sie verstanden werden, dass ihre Perspektive zählt. Daraus entsteht Vertrauen in sich selbst, in die Gruppe und in den Prozess.
Und genau dieses Vertrauen ist die Grundlage für alles, was danach kommt.
Qualität vor Geschwindigkeit
Ohne diesen Einstieg bleiben viele Workshops an der Oberfläche. Menschen formulieren vorsichtiger, orientieren sich stärker an Erwartungen und bringen weniger von sich selbst ein. Mit einem sauberen Warm-up hingegen entsteht ein Raum, in dem echte Gedanken sichtbar werden.
Natürlich kostet das Zeit. Doch diese Zeit ist keine Verzögerung, sie ist eine Investition in die Qualität der Ergebnisse. Denn wenn Menschen wirklich ankommen, zuhören und sich sicher fühlen, verändert sich die Tiefe der Gespräche spürbar.
Fazit
Am Ende geht es nicht darum, schneller zu starten. Es geht darum, besser zu starten.