Podcast: Die Hirn-Hand-Verbindung
Feb 19, 2026
In dieser Episode tauchen Flo und Moritz tief in die neurobiologische Grundlage der LEGO Serious Play Methode ein: die Verbindung zwischen Gehirn und Händen. Was oft spielerisch wirkt, hat eine erstaunlich fundierte Basis.
Der Homunculus – unser verzerrtes Spiegelbild
Würde man den menschlichen Körper nach der Anzahl seiner Nervenverbindungen zum Gehirn darstellen, sähe er grotesk aus: riesige Hände, überdimensionierte Lippen, grosse Füsse.
Dieses Bild nennt man den Homunculus.
Es zeigt eindrücklich:
Unsere Hände sind neurologisch massiv vertreten. Etwa 30 % der direkten Nervenverbindungen gehen vom Gehirn in die Hand. Rechnet man die beteiligten Netzwerke hinzu, sind es bis zu 70–80 % der Hirnaktivität, die involviert ist, wenn wir mit den Händen arbeiten.
Wissensarbeit ohne Hände?
In den 1990er Jahren stellte man sich am IMD in Lausanne eine entscheidende Frage:
Wenn wir immer mehr Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeiter werden, was passiert mit dieser Hirn-Hand-Verbindung?
Wir sitzen.
Wir denken.
Wir reden.
Aber wir nutzen kaum noch unsere Hände. LEGO Serious Play entstand genau aus dieser Überlegung: Wie können wir Denken wieder mit Handeln verbinden?
Warum beim Bauen plötzlich neue Gedanken entstehen
Viele kennen das: Man beginnt zu bauen, ohne genau zu wissen, was die Antwort ist. Und plötzlich entsteht eine Bedeutung. Nicht, weil man sie geplant hat. Sondern weil das Gehirn versucht, eine „offene Gestalt“ zu schliessen.
Das Unterbewusstsein arbeitet mit.
Die Hände werden zum Zugang.
Moritz beschreibt ein Erlebnis, bei dem zwei graue Fundamentteile plötzlich für einen Lebensfluss standen – eine Bedeutung, die ihm erst im Erzählen bewusst wurde. Das ist die Hirn-Hand-Verbindung in Aktion.
Erfolgserlebnisse im Minutentakt
Ein weiterer Effekt: Beim Bauen entsteht ein kontinuierlicher Strom kleiner Erfolgsmomente. Ein Stein passt, eine Idee entsteht. eine Form ergibt Sinn. Das Material ist robust, konstruktivistisch aufgebaut, systemisch gedacht. Es geht nicht um Basteln oder Zeichnen. Es geht um Struktur, um Aufbau, um Entwicklung. Und genau das spiegelt Denkprozesse.
Gleiche Ressourcen, gleiche Ausgangslage
Ein weiterer entscheidender Punkt: Alle arbeiten mit denselben 56 Steinen. Keine Person hat einen Vorteil. Keine Person braucht künstlerisches Talent. Das schafft Sicherheit und senkt Hemmungen. Selbst Teilnehmer:innen, die noch nie zuvor LEGO in der Hand hatten, können sofort einsteigen. Die Bedeutung entsteht durch die Geschichte – nicht durch Perfektion.
Erst bauen, dann verstehen
Eine der kraftvollsten Interventionen im Workshop lautet:
„Fang einfach an zu bauen.“
Das Gehirn übernimmt den Rest. Und genau hier liegt die Magie der Methode: Die Hände helfen uns, Wissen zugänglich zu machen, das rein kognitiv oft verborgen bleibt.
Fazit
LEGO Serious Play ist keine Spielerei. Es ist ein durchdachtes System, das eine uralte, neurologische Stärke nutzt: Wir denken mit den Händen. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum die Methode wirkt.
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